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Katechetinnen

Katechetinnen sind eine der grossen Stützen von rpg und Gemeindeaufbau.

Katechetinnen als Motivatorinnen im rpg

 

Die Katechetinnenausbildung hat sich in der Praxis sehr bewährt. Sie ist niedrigschwellig und umfasst für die Unter- oder Mittelstufe 133 Halbtage, für die ganze Primarstufe 188 Halbtage. Darin sind Übungsschule, praktisches Jahr und Intervision eingeschlossen. Pro Jahr werden zurzeit etwa 15 bis 20 Frauen diplomiert und beauftragt. Viele Katechetinnen haben selber Kinder in einem ihren „Unti-Kindern“ ähnlichen Alter. Für einige ist die Tätigkeit als Katechetin auch ein Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nach der Familienphase, manchmal auch eine Übergangstätigkeit hin zum früheren oder zu einem neuen Beruf. Was erstaunt: Gemessen an der Länge der Ausbildung ist die Professionalität, Kompetenz und Effizienz dieser kirchlichen Berufsgruppe enorm hoch. Die Katechetinnen sind – neben dem Heiligen Geist – die wichtigste Kraft bei der Umsetzung des rpg. Offenbar zieht die sinnvolle Tätigkeit immer wieder Talente an. Über diese einheitliche Charakteristik hinaus kennzeichnet die Katechetinnen eine grosse Vielfalt. In der Ausbildung wird das diesen selber immer wieder zum erstaunlichen Erlebnis, wenn sie sich mit einem Text zur religiösen Orientierung und zur Art der Kirchenbindung auseinandersetzen. Alle Typen, welche Roland Campiche und Alfred Dubach herausgearbeitet haben, kommen vor. Das kann befreiend wirken – auch auf die Katechetinnen. Eine von ihnen sei hier porträtiert.

 

"Gott ist keine eindeutige Wissenschaft"

 

Andrea Meier aus Brütten ist frisch diplomierte Katechetin, will aber nicht darauf reduziert werden. Die moderne Frau lässt sich nicht gerne in Schubladen stecken.

Sie sei keine "Extreme", sagt Andrea Meier und wehrt sich sogleich gegen mögliche Vorurteile. Gläubig sei sie schon immer gewesen, aber auf eine moderate und tolerante Art und Weise. "Ich bin mit der reformierten Kirche gross geworden und kann mich sehr gut mit ihr identifizieren", sagt Meier. "Nur weil ich jetzt Katechetin bin, bin ich nicht etwa ein anderer Mensch geworden, wie einige denken könnten."

Die 45-Jährige ist frisch diplomierte Katechetin und unterrichtet in Brütten und in Weisslingen Kinder der Unter- und Mittelstufe im Fach Religion. Aus Angst davor, schubladisiert zu werden, habe sie am Anfang oft Hemmungen gehabt, von ihrer Ausbildung zu erzählen. "Den Boden habe ich nach wie vor fest unter den Füssen. Ich glaube aber an Gott und spüre eine Kraft, die von ihm ausgeht." Dieses Gefühl möchte Andrea Meier ihren Schülern weitergeben. Sie verwendet das Lehrmittel der reformierten Landeskirche Zürich und legt grossen Wert darauf, Altes mit Neuem zu verbinden und auf aktuelle Lebenssituationen einzugehen. "Der Stoff muss zeitgemäss sein."

Nichts aufs Auge drücken
Die Arbeit mit den Kindern bezeichnet die Katechetin als Spurensuche: Gemeinsam suchen sie nach Antworten auf Fragen, welche die Kinder bewegen. Ein immer wiederkehrendes Thema ist der Tod. "Einmal erzählte ein Schüler, sein Grossvater sei gestorben. Daraufhin erwiderte ein Mädchen, dass auch sie traurig sei, denn ihr Hamster sei tot." Daraus sei dann wie so oft eine Diskussion entstanden.

Doch wie die Kinder hat auch Andrea Meier nicht auf alles eine klare Antwort. Der Unterricht sei vielmehr ein Herantasten an Themen, oft auch ein gemeinsames Philosophieren und Austauschen von Erfahrungen. "Auf keinen Fall will ich den Kindern etwas aufs Auge drücken. Ich will ihren Rucksack mit Wissen füllen und ihren Horizont erweitern. Gott ist keine eindeutige Wissenschaft."

Eines der Lieblingsthemen von Andrea Meier ist die Adventszeit. "Ich liebe die Bräuche, die wir im Christentum pflegen." So zum Beispiel das Abbrennen der Kerzen auf dem Adventskranz, der ursprünglich aus einem grossen Wagenrad mit 24 Kerzen bestand. "Leider wird heutzutage oft nur noch konsumiert, und die Hintergründe der Bräuche interessieren wenig."

Andrea Meier ist heute da, wo sie schon immer sein wollte. Ihre Tätigkeit für die Kirche begeistert sie, und mit Kindern wollte sie schon immer arbeiten. "Der Kreis hat sich für mich geschlossen." Die ausgebildete Kauffrau wollte ursprünglich Kleinkinderzieherin werden. Tätig war sie dann aber in ganz anderen Bereichen. "In einer Farben- und Lackfabrik arbeitete ich viele Jahre auf dem Büro, und in einem Einkaufscenter verkaufte ich auch schon Kaffeemaschinen", sagt Meier.

Seifenopern und Schuhe
Bis zum Entscheid, Katechetin zu werden, sei es ein langer und unbewusster Prozess gewesen. Als Mutter zweier Teenager ist sie durch den Religionsunterricht immer wieder mit Religionsfragen konfrontiert worden. "Irgendwann zog es mir den Ärmel rein und ich begann mich, in der Kirchgemeinde von Brütten zu engagieren." Und als eine Freundin beschloss, die Katechetinnenausbildung zu machen, schloss sich ihr Andrea Meier an.

"Jetzt als Katechetin fühle ich mich nicht  wie ein anderer Mensch", wiederholt sie. Nach wie vor schaut sie sich gerne Seifenopern im Fernsehen an, geht mit einer Freundin shoppen und kauft zum Leidwesen ihres Mannes zu viele Schuhe. Auf einer Party tanzt sie auch gerne mal ab. "Aber möglicherweise bin ich schon etwas nachdenklicher geworden. Heute überlege ich mir genauer, was mir wichtig ist."

Susanne Aebersold